Da lachen ja die Hühner

Dass die meisten Hühner heutzutage nicht viel zu lachen haben, ist ja mittlerweile weithin bekannt. Gestern hat daran mal wieder die ARD Reportage über Wiesenhof erinnert.

Falls ihr sie verpasst habt, hier ein Ausschnitt:

Wer nach diesen Bildern noch Hühner aus Massentierproduktion, sorry, –haltung essen kann und nachts weiter ruhig schläft, versteckt Oma bestimmt auch den Rollator, wenn sie aufs Klo muss.

Obwohl ich schon ähnliche Bilder von Hühnerhallen und -kadavern in Filmen wie Food Inc. gesehen hatte und Jonathan Safran Foer in seinem Buch Tiere Essen im Detail beschreibt, was in solchen und anderen Produktionsstätten vor sich geht, hat mir die Reportage gestern zu denken gegeben. Aber anders als erwartet.

Ja, die Bilder haben mich auch dieses Mal wieder schockiert. Aber genauso erbost war ich über die Unfähigkeit der Reporter, auf den Mechanismus hinter dem ‚System Wiesenhof‘ hinzuweisen: das uralte Prinzip von ‚Angebot und Nachfrage‘. Denn was macht Wiesenhof anderes, als die steigende Nachfrage nach billigem (Hühnchen-)Fleisch zu bedienen, die daraus resultiert, dass wir immer weniger bereit (oder in der Lage) sind, gutes Geld für Lebensmittel auszugeben und uns angewöhnt haben, Fleisch als Hauptnahrungsmittel zu betrachten.

Erstaunt hat mich auch die Unfähigkeit der Wiesenhof-PR Maschinerie, diesen Hintergrund für sich zu nutzen. Denn wie viel interessanter wäre diese Reportage und die nachfolgende Diskussion gewesen, wenn Herr Wiesenhof sich einfach mal hingestellt und Tacheles geredet hätte:

‚Ja, die Tiere leiden unter den Mastbedingungen, werden brutal behandelt und viele krepieren, bevor sie überhaupt an den Haken im Schlachthof gehängt werden können. Und die Arbeiter kriegen einen Hungerlohn, von dem sie sich nicht mal ein halbes Hähnchen am Tag leisten können. Aber was erwartet ihr? Ihr jammert doch rum, wenn das Kilo Hähnchen über 4 Euro kostet!‘

Ich will damit nicht sagen, dass Wiesenhof keine Verantwortung trägt für die Zustände in den Zulieferbetrieben. Im Gegenteil, gerade ein Unternehmen mit Marktanteilen und damit -macht wie Wiesenhof sollte – und könnte – dafür sorgen, dass Mindeststandards eingehalten werden.

Ich denke aber auch, dass wir als Verbraucher mindestens genauso viel Verantwortung tragen. Wir können uns entscheiden, diese Hühner nicht zu essen.

Und ja, das kann bedeuten, dann eben kein Huhn mehr zu essen. Oder nur noch selten.

Dann würde Fleisch wieder das werden, was es früher, vor der Einführung der industriellen Tierproduktion, einmal war: ein besonderes Lebensmittel, das man mit Respekt vor Tier und Bauern verspeist.

Weil die Reportage gestern bei all dem Tränendrüsendrücken nicht zu einer klaren Analyse kam, hier mein Fazit: wenn uns Tierleben etwas wert sind, geben wir entweder mehr Geld aus, oder wir essen weniger Fleisch.

Übrigens: Nachdem ich Tiere Essen fertig gelesen hatte, habe ich aufgehört, Fleisch zu essen von dem ich nicht weiß, wo es her kommt. Aber ich gebe zu, das Lesen der letzten Seiten habe ich heraus gezögert. Ich ahnte, welche Entscheidung ich am Ende des Buches treffen würde. Und ich gebe auch zu: ich vermisse die Putenbruststreifen auf meinem Salat.

Lasst euch allerdings versichern: Irgendwann gewöhnt man sich selbst an den Geschmack von Tofu. Den gibts übrigens auch in Nuggetform.

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2 Antworten zu Da lachen ja die Hühner

  1. Ronja schreibt:

    Na die sehen doch eigentlich ganz Happy aus🙂

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