Familienrezept: Pflaumen – vom Baum zum Kuchen

Ein Beitrag zur Initiative Sonntagssüß

Z… Zu…. hmpf… Zuh….hmpfff!

Ach, was solls:

Zuhauseissesdochamschönsten.

Nun ist es raus.

Seit meiner Rückkehr aus London wohne ich für ein paar Wochen wieder bei meinen Eltern. Zurück auf dem Dorf taumle ich, nach einer Überdosis Großstadt, gleich ins nächste Delirium: Waren die Wälder hier immer so grün? Die Blumen so bunt? Die Abende so ruhig? Die Zucchini so saftig?

Vermutlich ja, nur konnte die Natur vor der Haustür lange nicht die Langeweile und die Engstirnigkeit aufwiegen, die ich als Jugendliche auf dem Dorf erlebt habe. Wenn ich nun, nach vielen Jahren und Abenteuern (und der Möglichkeit, jederzeit wieder zu gehen), ’nachhause‘ – denn das ist es immer noch – komme, bin ich immer wieder überwältigt davon, wie schön es hier ist.

Ein Grund dafür ist unser Garten, um den sich mein Vater kümmert. Hier blühen Blumen jeder Größe und Farbe, und jedes Jahr gibt es auch immer etwas Obst und Gemüse. Diesen Sommer bin ich genau richtig zur Pflaumenernte gekommen.

Die ersten Pflaumen, das ist Tradition, müssen natürlich mit einem Pflaumenkuchen gefeiert werden. Und der Hefeteig dafür ist meinem Vater heilig – eigentlich darf da nur meine Mutter ran. Ich habe gestern die Gelegenheit genutzt, mir ‚ihr‘ Hefeteigrezept nicht nur abzugucken, sondern mich gleich selbst an den Teig gewagt. ‚Gewagt‘ deshalb, weil ich, obwohl ich ihn mittlerweile schon einige Male selbst gemacht habe, immer noch ein wenig Respekt vor Hefeteig hatte. Völlig ohne Grund: Mein Vater hat den fertigen Kuchen mit einem ‚wunderbar!‘ abgesegnet. Wie ihr euch vorstellen könnt, ist mir ein Pflaumenstein vom Herzen gefallen.

Familienrezept: Pflaumenkuchen

für eine ca. 26er Springform

ca. 400g Mehl
50g flüssige Butter
100g Zucker
200ml Milch, lauwarm
1/2 Würfel Hefe
1 Prise Salz
Pflaumen…haben wir nicht abgewogen. Etwa eine große Schüssel.

Backzeit/Temperatur: ca. 35 Minuten bei 175 Grad.

Meine Mutter macht den Hefeteig immer nach Gefühl. Dieses Mal haben wir ihre ‚gefühlten‘ Mengen abgewogen, um die Mengenverhältnisse unseres Familienklassikers rauszubekommen. Die Mehlmenge ist etwas variabel; wichtig ist, dass der Teig am Ende so gut wie nicht mehr klebt.

Zuerst Pflaumen waschen und entsteinen. Tipps von meiner Mutter: a) die Pflaumen nicht komplett einmal durchschneiden. Wenn die Hälften noch aneinanderhängen nach Entfernen des Steins geht das Belegen schneller; b) die beiden Pflaumen’ohren‘ oben je etwas einschneiden, dann lassen sie sich gut flach auf den Kuchen pressen (siehe Foto unten).

Ich beiße nie mehr einfach so in eine unserer Pflaumen. Das Würmchen hat Glück gehabt und jetzt ein neues Zuhause in unserer Biotonne gefunden. Ist also praktisch von der Einzimmerwohnung in die Jugendstilvilla umgezogen.

Vorteig ansetzen (etwas Mehl, die Hälfte des Zuckers, warme Milch, Hefe). Ca. 45 Minuten gehen lassen. Noch kein Salz dazu, sonst geht die Hefe nicht auf.

Dann den Hefeteig unter Zugabe der übrigen Zutaten fertig kneten. Meine Mutter lässt den Teig nicht nochmal gehen (wie es die meisten Rezepte empfehlen), sondern rollt ihn direkt aus und schneidet ihn auf etwas mehr als Formgröße zurecht. Etwas mehr, damit man einen kleinen Rand formen kann. Je nach dem, wie dick man den Teig ausrollt, bleibt etwas Teig übrig. Was ich mit den Resten gemacht habe, zeige ich euch in den nächsten Tagen.

Schließlich bleibt nur noch, die Pflaumen in den Teig zu drücken. Das geht dann buchstäblich im Handumdrehen, wenn man so geübt ist wie meine Mutter.

Und nun präsentiere ich stolz meinen ersten selbstgemachten Pflaumenkuchen, der gleichzeitig mein erster Beitrag zur Initiative Sonntagssüß ist (ein Hoch auf die Gründerinnen. Ich bin überzeugt, das sind Seelenverwandte von mir. Oder zumindest Gaumenverwandte):

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11 Antworten zu Familienrezept: Pflaumen – vom Baum zum Kuchen

  1. Mareike schreibt:

    Oh ja, ich muss auch wieder Plaumenkuchen backen. Ich finde, Plaumenkuchen MUSS mit Hefeteig gemacht werden! UNBEDINGT! Mürbeteig geht gar nicht! =)

    Liebe Grüße

  2. Jule schreibt:

    Vielen lieben Dank! Das Rezept findest du jetzt auf meinem Blog, falls du es mal nachbacken möchtest! Sehr zu empfehlen, denn die Wohnung riecht danach so lecker nach Zimt!🙂
    Dein Pflaumenkuchen sieht aber auch wirklich lecker aus! Ich glaub das werd ich demnächst auch mal ausprobieren! Alles Liebe, Jule

  3. Schokozwerg schreibt:

    Liebe Anna, der sieht köstlich aus! Und so schön saftig und fluffig😉 Ich sehe schon, auch der Klassiker will immer wieder neu entdeckt und geliebt werden. Bald auf unserem Tisch nach Deinem Rezept🙂 Liebe Grüße!

  4. madebymyself schreibt:

    Ach, wie schön geschrieben. Dein Stil gefällt mir. Und der Kuchen sieht ja auch mal lecker aus. Hmmm….
    Eine Clafoutis kannst du ruhig mal probieren. Ist supereinfach und schnell.

    Viele Grüße madebymyself

  5. Ulrike schreibt:

    Der sieht ja schön aus! Einfach nur schön und lecker.

    Irgendwie kommen mir deine Zeilen bekannt vor, Ich bin sogar nach „Jahren der Abenteuer“ nach Hause zurückgekehrt und ein Haus weiter eingezogen😉 und bereue es nicht.

  6. telialicious schreibt:

    Ich bin auch ein absoluter Teigfan. Das der Bauchschmerzen machen soll, ist wohl eh nur ein Gerücht, damit der Gerüchtestreuer selbst mehr vom Teig hat😀

    Pflaumenkuchen ist irgendwie absolut nicht meins. Frisch vom Baum liebe ich Pflaumen total, aber so matschig auf Kuchen gar nicht😦

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