Von London nach New York in einer Stunde


„Wie gerne hätte ich JETZT ein iPhone“, hörte ich mich gestern zu einem Bekannten sagen, als ich mich nach getaner Arbeit auf den Weg nach Soho zum Leute und Schaufenstergucken machte. Denn natürlich hatte ich eins nicht zur Hand: meine ‚to-do/-see/eat‘-Liste, auf der ich mir in den letzten Wochen akribisch Namen und Adressen von Cafés und Museen notiert habe, in die ich zumindest noch einen Blick werfen will, bevor es wieder zurück geht. Hätte ich gestern ein iPhone gehabt (das ich nicht besitze, weil ich ein geiziger Spätzünder bin was neue elektronische Spielzeuge angeht; mein Vater besaß sowohl einen MP3 Player als auch eine Digitalkamera BEVOR diese auf meinem Radar erschienen waren…), wäre diese Liste heute um ein paar Häkchen reicher. Stattdessen lief ich recht planlos durch die Gegend und gab mich schließlich geschlagen: nach 2 Stunden Großstadtspaziergang war ich reif für Kaffee, Kuchen und Couch – zuhause.

Während ich mich gestern noch ein wenig geärgert habe über die verpassten Gelegenheiten, ist mir heute wieder der Kommentar meines Bekannten eingefallen: „Sei doch froh, dir würde mit iPhone so vieles entgehen!“ Das gab mir zu denken. Es stimmt zwar: mit Smartphone in der Hand hätte ich mein Wunschlisten-Café gefunden und hätte endlich diesen sagenhaften Brownie probieren können. Aber anstatt mit Muse durch Soho zu schlendern, hätte mein Spaziergang eher einem vorgezeichneten, möglichst zeitsparenden Zick-Zack geglichen. Alles sehr berechenbar. Was wird bei soviel Echtzeit-Googlemaps-Lokalisierung aus der unübertreffbaren Freude an Zufallsfunden; den Orten, von denen man später sagt: ‚mein‘ Café/Park/Platz?

Oft sind diese zufälligen Entdeckungen mit die nachhaltigsten Urlaubserinnerungen – so ging es zumindest mir mal wieder bei einem Ausflug nach Brighton vor einiger Zeit. Vom Regen überrascht (ja, ich hätte es besser wissen sollen) mussten meine Freundin und ich uns schnell einen trockenen Platz suchen, und sind in das erstbeste Lokal am Wegesrand geflüchtet: ein American Diner, das von außen so schäbig aussah, dass ich nie freiwillig rein gegangen wäre. Innen entpuppte es sich jedoch als absolutes Juwel: amerikanischer als jedes amerikanische Diner, inklusive Milchshakes mit Cocktailkirsche, Pecan Pie, bottomless refill und kitschiger Elvismusik. Ich bin mir sicher: wir hätten in ganz Brighton keinen Ort finden können, an dem ich lieber die zwei Stunden bis zum Ende des Regens verbracht hätte! Und für diejenigen unter euch, die es bei für den nächsten Besuch in Brighton (nur 1 Stunde von London!) googlen wollen, verrate ich sogar Namen und Website: JB’s Diner – auch ohne iPhone einfach zu finden, direkt an der Promenade🙂

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8 Antworten zu Von London nach New York in einer Stunde

  1. Prisca schreibt:

    ANNA- ich liebe Deinen Schreibstil!

  2. Prisca schreibt:

    Und vermisse Dich hier

  3. Anna schreibt:

    PRISCA – danke für dieses wunderbare Kompliment (über das ich mich sehr freue, nicht zuletzt, weil es von einer selbst äußerst mitreißenden Schreiberin kommt)!!

  4. Brigitte schreibt:

    Hi Anna,
    wir wären jetzt auch gerne in London und würden bummeln, shoppen und gucken..
    Stattdessen sitzen wir in Mannheim bei Regen auf dem Sofa..
    Deine tollen Bilder haben uns aufgeheitert.
    Komme doch bald mal nach Mannheim, uns besuchen🙂

    Lg,
    Leon und Brigitte

    • Anna schreibt:

      Freut mich sehr, dass euch die Bilder gefallen haben – es werden noch ein paar kommen in den nächsten Wochen von schönen, bunten Tagen in London! Beim Laufen durch die Stadt habe ich oft an dich gedacht – die Eccos waren die perfekten Begleiter für meine Ausflüge🙂 Bald bummeln wir dann wieder in Mannheim.

  5. germanabendbrot schreibt:

    man liest gar nichts mehr von dir… wie schade😦 lust verloren??

    • Anna schreibt:

      Oh nein, ich vermisse das Bloggen!! Aber Arbeit & Leben waren irgendwie dazwischen gekommen…ab morgen kehrt wieder ein wenig Routine und damit auch wieder Muse zum Bloggen ein, versprochen – es gibt so vieles, worüber ich berichten muss, und soviele Rezepte, für die ich auf die eigene Küche warten musste🙂

  6. Pingback: Küchenzeilen unterwegs: Patisserie Belle Epoque, London | küchenzeilen

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