Mein Kleiner (Käsekuchen)

Ok, es war keine Liebe auf den ersten Blick, das muss ich zugeben. Den ‚hässlichsten Kuchen, den ich je gebacken habe‘ habe ich ihn genannt, nachdem ich den kleinen Käsekuchen (ich habe das halbe Rezept gemacht) gestern aus dem Ofen geholt habe. Außen viel zu hoch, innen eingefallen, dazu ein von zuviel direkter Hitze kommender brauner Rand auf der hellen Quarkcreme, die sich zudem schon vom Mürbeteig zu lösen beginnt – nein, so stelle ich mir meinen perfekten Käsekuchen gewiss nicht vor.

Heute allerdings tun mir meine harten Worte leid. Bei genauerer Betrachtung ist der Kleine nämlich eigentlich ein ganz hübscher. Ein paar Luftblasen hier, eine Delle dort – was solls, Käsekuchen sind eben eigenwillig beim Backen. Das macht das Ganze ja jedesmal so spannend. Und wer will schon einen selbstgebackenen Kuchen, der aussieht wie aus der Fabrik? Eben.

Stolz präsentiere ich der Welt, also euch, daher heute mein neuestes ‚Baby‘.

Ist er nicht wunderschön? Tatsächlich habe ich den Verdacht, dass es sich mit Selbstgebackenem so verhalten könnte wie mit Kindern: auch wenn man eigentlich weiß, dass das eigene Kind nie Supermodel werden wird, ist es trotzdem ganz selbstverständlich das schönste der Welt. Und dass es sowieso die inneren Werte sind, die zählen, muss ich ja keinem sagen. Dieser Käsekuchen jedenfalls schmeckt ganz toll sahnig, vanillig und zitronig. Dank geht an meine Tante Karin für das Rezept sowie für die zuverlässige Versorgung mit vielen, vielen uneingeschränkt perfekten Käsekuchen seit Beginn meiner Familiengeburtstagskaffeezeitrechnung.

Tante Karins Käsekuchen
(26-28er Springform)

Mürbeteig:

300g Mehl
100g Zucker
200 g Butter
1 Eigelb
1/4 Vanillschote, Mark
abgeriebene Schale von 1/4 Zitrone

Quarkmasse:

4 Eier
250g Zucker
1 kg Quark, 20% Fett
abgeriebene Schale von 1/2 Zitrone
Mark von 1/2 Vanilleschote, oder 1 Pk. Vanillezucker
1 Pk Vanillepuddingpulver, alternativ: 50g Stärke und mehr Vanille (s.o.)
400ml Milch
100gr zerlassene Butter

Achtung: Dieser Kuchen geht leicht, braucht aber wegen der Kühlzeit des Mürbeteigs gut 2-3 Stunden Vorbereitungszeit.

Die Zutaten für den Mürbeteig in eine Schüssel geben und mit dem Knethaken ca. 2-3 Minuten verrühren. Der Teig wird recht klebrig sein, das macht aber nichts!

Den Teig entweder zu einer Kugel formen, mit Klarsichtfolie umwickeln und ca. 1 Std. in den Kühlschrank legen, damit er sich besser verarbeiten lässt, oder direkt in eine ausgefettete Springform drücken. Ca. 2/3 des Teigs auf dem Boden ausrollen und mit dem restlichen Teig den Rand hochziehen. Der Rand sollte recht hoch sein. Die mit Teig ausgelegte Springform dann (nochmal) gut durchkühlen (ca. 1-2 Stunden). Das ist wichtig, damit der Mürbeteig sich nachher beim Backen nicht zusammenzieht.

Wenn der Teig gut durchgekühlt ist, kann der Backofen vorgeheizt werden (160 / 140 Grad Umluft) und die Quarkcreme gerührt werden. Das geht ganz schnell: Zunächst die Butter zerlassen, damit sie etwas abkühlen kann, z.B. in der Mikrowelle oder im vorheizenden Backofen. Dann Eier und Zucker ca. 2 Minuten schaumig rühren, und schließlich die restlichen Zutaten dazu geben. Das Puddingpulver evt. in die Masse rein sieben, damit es nicht klumpt. Probieren, ob genügend Vanille und Zitrone drin ist. Falls ihr das nicht ohnehin tut – ich jedenfalls brauchte keinen Vorwand, schonmal 1/4 der Quarkcreme vorm Backen zu essen.

So sollte sie übrigens aussehen: Ist sehr flüssig, das ist ok.

Wenn der Ofen heiß ist, das, was von der Quarkcreme nach dem ‚Probieren‘ noch übrig ist, in die Form füllen.

Ca. 70 Minuten backen (halbes Rezept/kleine Form: ca. 50 Minuten). Zwischendurch nachsehen. Wenn der Kuchen beginnt, dunkel zu werden, die Form mit Backpapier abdecken, damit die Quarkcreme keine direkte Hitze mehr bekommt. Den fertigen Kuchen bei halb geöffneter Tür noch 15 Minuten im Ofen stehen lassen, damit er keine Risse bekommt (hat super geklappt bei mir, wie man sieht…).

Dann zunächst in der Form abkühlen lassen und nach etwa 1 Std. aus der Form lösen. Dafür braucht man 2 runde Kuchengitter. Erst mit einem Messer den Kuchen vom Rand lösen und den Ring abnehmen. Dann ein Gitter falsch herum auf den Kuchen legen, leicht dagegen pressen und den Kuchen mit Schwung (aber trotzdem vorsichtig) umdrehen, so dass er kurz mit der Oberfläche auf dem 1. Gitter zu liegen kommt. Dann schnell den Boden der Springform lösen (ggfalls auch mit Messer nachhelfen) und das 2. Gitter falsch herum auf den Kuchenboden legen. Nun mit je einer Hand leicht auf je ein Kuchengitter pressen und den Kuchen wieder richtig herum auf das 2. Gitter schwingen.

Während all dem zur Domestic Goddess beten, dass der Kuchen sich nicht entschließt, in der Mitte durchzubrechen.

Alles klar?…

Tipps

Wie ich schon erwähnte, Käsekuchen sind extrem eigenwillig. Zwei immer wieder auftretende Schwierigkeiten beim Backen sind meiner Erfahrung nach:

1. Der Kuchen wird zu dunkel, weil er so lange im Ofen ist. Vor allem am Rand. Abhilfe: Temperatur konsequent niedrig halten, auch wenn man am Anfang denkt, er wird gar nicht gar. Außerdem kann man den Kuchen nach ca. der Hälfte der Backzeit mit Backpapier abdecken.

2. Der Kuchen ist außen schon lange gar, aber in der Mitte ist die Quarkmasse noch schwabbelig. Dann passiert das, was mir passiert ist: Am Rand entlang bilden sich Luftblasen im Quark oder im schlimmsten Falle löst sich die Quarkmasse vom Mürbeteig. Abhilfe: Das wüßte ich auch gern! Hat jemand eine Idee? Ich denke, beim nächsten Mal werde ich die Temperatur noch etwas niedriger stellen und den Kuchen nicht ganz so hoch machen, sprich: niedrigerer Rand und niedriger Füllung. Außerdem muss es in der Mitte wohl nicht komplett schwabbelfrei sein, weil der Kuchen noch etwas nachgart.

So, Kaffee ist fertig. Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen und zum dritten Mal heute zu probieren, ob der Kuchen auch wirklich so gut schmeckt, wie er (in meinen Augen) aussieht. Nur um sicherzugehen.

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2 Antworten zu Mein Kleiner (Käsekuchen)

  1. Karin Freund schreibt:

    hallo anna, habe mit großer begeisterung rezepte gelesen und finde ganz toll, was du aus meinen kärglichen angaben zu käsekuchenzutaten gemacht hast; schön wärs auch, noch mehr leckere kkvariationen zu sammeln und ALLE mal auszuprobieren und so zum wahren kenner u. GENIESSER zu werden. das gibt dann dicke bäuche!! was ich noch loswerden muss: super kombination der sehr vielfältigen, auch erinnerungsträchtigen textteile mit illustrationen. kompliment! die tante karin

  2. Pingback: Carrot Cake – oder doch nur Karottenkuchen? | küchenzeilen

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