Kindheitserinnerungen: Brotauflauf

Eigentlich hätte ich diese Woche Hühnerbrühe löffeln sollen – aber nicht mit mir. Ich kann mich an keine Erkältung erinnern, bei der mir das in irgendeiner Art geholfen hätte. Brotauflauf dagegen schon. Bilde ich mir ein, so im Nachhinein. Und zwar sicher nicht unbedingt wegen der vielen Vitamine, sondern vermutlich wegen der Riesenportion Liebe, die bei uns eine mindestens genauso wichtige Zutat war wie die Rosinen, oder die Äpfel, oder die Vanillesoße dazu.

Brotauflauf war außerdem immer ‚Mama und Kind‘-Essen bei uns. Kaum stand fest, dass Papa auf Dienstreise musste, fragte das Kind (oder genauso oft, die Mama): „Wollen wir dann endlich mal wieder Brotauflauf machen?“ Und ich kann mich an keinen Moment erinnern, in dem eine von uns diese Frage mit ‚Nein‘ beantwortet hat. Undenkbar. Schließlich mussten wir die Tage ausnutzen, an denen nicht ein Riesenstück Fleisch als Haupt-Mahlzeits-Bestandteil auf dem Teller zu liegen hatte.

Aber obwohl Brotauflauf bei mir DAS Kindheitserinnerungsessen schlechthin ist – und, so als Fußnote, damit führe ich diese Tradition mindestens schon in der zweiten Generation fort, denn meine Mama hat das Rezept von ihrer Mutter – , und immer schöne Zweisamkeitsmomente heraufbeschwört, habe ich ihn seit meinem Auszug nur ganz, ganz selten selbst gemacht. Viel lieber habe ich ihn mir ‚gewünscht‘, wenn ich bei meinen Besuchen zuhause, wie früher an meinem Geburtstag, ein Wunschessen frei hatte. Irgendwie schmeckte er zuhause immer ein bisschen besser.

Vorgestern allerdings, schnupfend und hustend, habe ich genau dieses ‚zuhause‘-Gefühl gebraucht – auch krank sein war früher irgendwie schöner. Das tolle an Brotauflauf ist zudem, dass er super schnell geht und man fast immer alles zuhause hat – schließlich will man bei der Kälte nicht unbedingt vor die Tür. Und am nächsten Tag, nachdem ich die Reste gefrühstückt hatte, ging es mir dann tatsächlich schon besser. Habe ich mir zumindest eingebildet.

Brotauflauf, leicht gepimpt (eine mittlere Auflaufform)

Leicht trockenes Weißbrot oder Bauernbrot (ca. 1/2 bis 1 Kastenbrot)
ca. 1/2 l Milch, gemischt mit Sahne (Verhältnis nach Geschmack)
Vanille, 1 Prise Salz
2-3 Eier
Zucker
Rosinen – ca. 100gr oder nach Geschmack
optional: ca. 50 gr Butter
1-2 Äpfel

Vanillesoße
500 ml Milch
1 Päckchen Vanillesoßenpulver (z.B. Alnatura)

1. Kruste vom Brot abschneiden (rundum) und Brot in kleine Würfel schneiden. Brotwürfel in eine große Rührschüssel geben.

2. Milch und Sahne warm machen. Eier, Milch, Sahne, Vanille und Zucker verquirlen und über die Brotwürfel geben, gut umrühren. Flüssigkeitsmenge evt. anpassen; das Brot muss am Ende vollgesogen sein und es sollte noch etwas ‚extra‘ Flüssigkeit in der Schüssel sein, sonst wird der Auflauf zu fest.

3. Rosinen dazu. Das Ganze ca. 1 Stunde durchziehen lassen. Oder über Nacht.

4. Nach 1 . Stunde: Ofen auf etwa 180 Grad (160 Umluft) vorheizen. Evt. die Butter in kleinen Flocken unter die Masse heben. Äpfel schälen, klein schneiden und dazu geben. Eine Auflaufform mit Butter einfetten, Teigmasse hineingeben und ca. 45-50 Minuten backen.

5. Während der Auflauf backt, die Vanillesoße zubereiten – Im Bioladen gibt es leckere ‚Fertigmischungen‘ ohne künstliche Aromen und andere Zusatzstoffe.

Gut zu wissen:

Ich habe diesmal Bauernbrot genommen – das hat etwas herzhafter geschmeckt als Weißbrot, und hat etwas mehr Milch und Zucker gebraucht. Wenn man Weißbrot nimmt, lösen sich die Brotwürfel während des Durchziehens zu einem ‚Teig‘ auf; das passiert bei Bauernbrot nicht. Aber beim Backen entsteht trotzdem die typische Brotauflaufkonsistenz. Ich fand es geschmacklich super, meinem Freund hat der leichte Sauerteiggeschmack aber nicht so gefallen.

Wieviel Rosinen, Zucker und Äpfel man nimmt ist absolute Geschmacksache. Auch die Größe der Auflaufform kann man so wählen, dass man entweder einen flachen Auflauf oder einen dickeren Auflauf bekommt – Ich mag lieber mehr Teig und weniger Kruste. Beim Backen kann man auch nichts falsch machen; richtig ‚gar werden‘ muss er ja nicht; je länger man ihn drin lässt, desto fester wird er eben.

Ganz wichtig dazu: Vanillesoße und Zimt-und-Zucker. Nie. Ohne.

Schmeckt auch kalt toll! In Brüssel verkaufen sie das sogar in den Bäckereien.

Nicht zu verwechseln mit dem meist viel dekadenteren englischen ‚Bread and Butter Pudding‘ – obwohl meine Version mit etwas Sahne und Butter schon die gepimpte Version gegenüber dem ursprünglichen Rezept nur mit Milch ist. Lecker wäre sicher auch, einen Schuß Rum reinzugeben, oder die Rosinen in Rum einlegen (Rosinen in ca. 70ml Rum aufkochen, von der Platte nehmen und 1 Std. durchziehen lassen).

Alles vorbereiten:

 

 

 

 

 

 

Und Eier und Äpfel nicht vergessen. Rühren…backen. Natürlich konnte ich mit dem Essen nicht bis NACH dem Foto warten…

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